„The messenger is the medium“

Beim Medien Start-Up „True/Slant“ sollen Journalisten zu Marken werden. Namhafte US-Kollegen veröffentlichen bereits auf dem Portal. Ihr Erfolg bestimmt das Honorar. Je  mehr Klicks, umso mehr Geld fließt aufs Konto. Spiegel Online fragt, ob dieses Modell Zukunft hat:

Die Idee klingt bestechend, sie ist hochgradig Internet-affin: Im Web goutieren Leser einen subjektiv gefärbten Journalismus, bei dem der Schreiber mit seinem Namen einsteht für die verbreiteten Inhalte. Das wirkt auch längst auf die Printmedien zurück, wo Reporter, aber auch namentlich zeichnende Redakteure seit Mitte der Neunziger erheblich an Gewicht gewonnen haben. Kannte man in der Zeitung früher nur Namen und Konterfei des Chefredakteurs, der allmorgendlich auf Seite zwei alles kommentierte, als hätte er Ahnung von der Materie, pflegen nun auch Printmedien ihre Experten, die mit Foto und Name für bestimmte Themen stehen.

Und nichts ist durch das Online-Publishing, vor allem aber durch den Blog-Boom so ins Kraut geschossen wie die Zahl der Kolumnen. Doch eigentlich, verkünden Vordenker des Online-Journalismus seit Jahren, müsste sich der gute Schreiber von der Marke eines Mediums emanzipieren und selbst zur Marke werden – „the messenger is the medium“ statt „the medium is the message“.

Entsprechend offensiv bewirbt True/Slant-Gründer Lewis Dvorkin seine Web-Plattform, denn letztlich ist das Angebot nicht mehr als das: Ein gemeinsames Dach für derzeit rund hundert fleißig vor sich hin bloggende Journalisten. Eine geballte Ladung freies Kommentieren, Reportieren, Philosophieren und auch Schwadronieren schwappt da über die Web-Seite.

Alle Autoren sind gleich und angehalten, den Vollkontakt mit dem Leser zu pflegen. Denn Popularität ist bei True/Slant eine Währung im Sinne des Wortes: Wer Erfolg hat, kann mehr verdienen. (…)

O’Brien, angeblich derzeit populärster Schreiber bei True/Slant, fand in den vergangenen fünf Tagen knapp 6600 Leser. Ihm auf den Fersen sind prominente Schreiber wie Matthew Taibbi („Rolling Stone“) oder Jeff Koyen (ehemals „Forbes“), unterfüttert wird das alles von gestandenen Autoren und Autorinnen wie Patti Hartigan (ehemals „Boston Globe“, 51 Leser in den vergangenen fünf Tagen). Was bewegt Journalisten, die so lange im Geschäft sind, zu „Unternehmer-Journalisten“ zu werden, die ein Gehalt per Seitenaufruf anstreben? mehr

Quelle: SPIEGEL ONLINE vom 8. Juni 2009
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