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Archive for Juli 2009

Von Herbert Schnierle-Lutz

Bei Udo Lindenbergs Besuch in Calw am letzten Wochenende übergab ihm Oberbürgermeister Manfred Dunst auch eine Broschüre der neuen Sonderausstellung im Calwer Hermann-Hesse-Museum. Das Thema »Hermann Hesses übernationales und multikulturelles Denken« traf sofort auf dessen lebhaftes Interesse. Selbst am Abend in der Bar des Teinacher Badhotels blätterte er noch in der Broschüre und fand immer aufs Neue Stellen, die seine Seelenverwandtschaft mit Hesse bestätigen.

Vor den kulturzerstörerischen Folgen von Nationalismus und Rassismus zu warnen, ist seit langem ein Anliegen des Musikers und Texters Udo Lindenberg. Bereits in den 70er-Jahren engagierte er sich bei »Rock gegen Rechts«, in den 80er-Jahren unterstützte er die Friedensbewegung und in den 90er-Jahren formulierte er seine Vision von der »Bunten Republik Deutschland«, in der viele Kulturen friedlich und kreativ zusammenleben.

In einem seiner Songs auf der gleichnamigen Platte warnt Udo Lindenberg zum Beispiel Jugendliche vor den braunen Verführern: »Vom Opfer zum Täter ist’s nur ein kleiner Schritt. Noch gestern ein Nichts und heut marschierst Du mit. Bist’n armes Kind – bist’n dummes Kind. Jetzt stolperst Du mit im braunen Wind. Alte Hetzparolen und die grölst Du mit. Vom Opfer zum Täter ist es nur ein kleiner Schritt …«

Dies korrespondiert mit Hermann Hesses Aussage: »Sobald man die Dinge nationalistisch betrachtet, sieht man die Welt zwar angenehm vereinfacht, aber darum nicht richtiger.«

Für sein gesellschaftspolitisches Engagement bekam Udo Lindenberg 1989 von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz am Band. 2005 wurde sein Lebenswerk im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in einer Ausstellung dokumentiert.

In seiner neuesten CD »Stark wie zwei« führt Udo Lindenberg ein »Interview mit Gott«, den er auf Anklagen antworten lässt: »Ihr wisst doch, ich habe eure Welt so schön für euch erschaffen. Doch ihr, ihr habt sie vollgeknallt. Vollgeknallt mit Waffen! Ja, wenn der Mensch nicht weiter weiß, dann macht er mir den Himmel heiß. Doch es nützt kein Beichten und es nützt kein Beten: Kümmert euch jetzt mal selber um euren Planeten!«

Auch dies korrespondiert mit Hermann Hesses politischem Vermächtnis, das dieser 1955 in seiner Friedenspreis-Rede formulierte: »Die Überwindung des Krieges ist nach wie vor unser edelstes Ziel und die letzte Konsequenz abendländisch-christlicher Gesittung.«

Die Hesse-Ausstellung »Weltbürger – Hermann Hesses übernationales und multikulturelles Denken und Wirken« ist noch bis zum 7. Februar 2010 im Hesse-Museum zu sehen. Dort gibt es auch eine Broschüre.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Erschienen auch in „Schwarwälder Bote„.

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Wilson R. Ruiz hat einen Dokumentationsfilm über die „Messengers of Truth“ gemacht. Eine Kurzversion davon steht jetzt im Netz. MOT für Deutschland ist Rolf Stahlhofen, von dem in naher Zukunft wieder einiges zu hören sein wird. Mehr demnächst hier.

[Link]

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Zwei TürmeZwei Türme warten auf Beschallung (Foto: ak).

Ein Teil der rund 30 000 Menschen, die sich am Ende dank Mehrfachzählung der Dauerkartenbesitzer auf 70 000 Besucher summierten, ist längst wieder in der Heimat, hat womöglich den ersten Arbeitstag schon hinter sich – und schreibt seine Eindrücke im TFF-Internetforum nieder.

Die reichen in diesem Jahr von brillant, traumhaft und perfekt bis zu Kritik von langjährigen Besuchern. Kritisiert werden vor allem zwei Neuerungen, die doch nicht so gut ankamen wie von den Veranstaltern erhofft. Dass es mit drei nur noch halb so viele Kassen gab wie bisher, sorgte vor allem am Sonnabend für lange Schlangen und viel Unmut an den verbliebenen Kassen. Vermisst wurde von mehreren TFF-Gästen auch die „alte“ Bühne am Neumarkt mit ihrer einzigartigen Atmosphäre.

Ostthüringer Zeitung – Der ganze Artikel hier.

Gogol BordelloGogol Bordello beim Konzert auf der Heidecksburg (Foto: ak).

Einen Besucherrekord, 70.000, hat es gegeben, dabei war das Programm des TFF diesmal gar nicht mit all zu vielen bekannten Namen gespickt. Abgesehen von Lucinda Williams und Gogol Bordello. Letztere sorgten noch vor dem offiziellen Beginn mit ihrem Sonderkonzert für einen der Höhepunkte des Festivals. Denn Sänger Eugene Hütz, der 1986, nach Tschernobyl, aus der Ukraine floh und inzwischen in den USA lebt, ist ein Naturereignis – mit gehörigem Kunstanteil. Wie ein Derwisch tobt er über die Bühne, vermittelt einen Eindruck davon, wie aufregend Leben und Kunst sein können. (…)

Die Faszination des TFF rührt daher, dass sich dort nicht nur gleich und gleich gesellen, sondern dass das Festival Raum für viele unterschiedliche Lebensentwürfe bietet. Das gilt für die Musik und für das Publikum. Das TFF ist auch für viele Gäste eine Bühne, auf der sie sich präsentieren können – vom Achtundsechziger bis zu den ganz jungen Wilden, die noch morgens in den Saalegärten zur World Wide Club Culture tanzen, wenn auch nicht Schuhplattler, obwohl der zum Tanzschwerpunkt des Jahres gehört. Dem haben sich wiederum D‘ Schwuhplattler verschrieben, begeistert aufgenommener, weltweit einziger schwuler bayerischer Schuhplattlerverein.

Freie Presse Chemnitz – Der ganze Artikel hier. Fotogalerie hier.

BadezuberBadezuber auf dem Kinderfest (Foto: ak).

272 Bühnen-Acts binnen 72 Stunden ließen das befragte Publikum erneut  zu Superlativen der Einschätzung greifen: „Einmalig“, „Grandios“, „Fesselnd“ lauten die Bewertungen, wobei die tolle Organisation und das Einbeziehen der ganzen Stadt besonders gelobt werden. 70 Liter Flüssigseife, 5000 Rollen Toilettenpapier, 169 Stände mit 61 Imbissanbietern, 80 Getränkezapfer tanzen da fast aus der Rolle des musikalischen Programms. So verschmerzten die Folkies ganz locker den Ausfall der Gruppe „Leningrad“, die für den Heinepark geplant war, sich aber im Dezember auflöste. Um so größeres Interesse fand Samstagnacht Südstaaten-Country-Legende Lucinda Williams auf der Heidecksburg, jene Songwriterin, die schon mit Bob Dylan gemeinsam Musikgeschichte schrieb.

Freies Wort – Der ganze Artikel hier. Fotogalerie hier.

Während die Veranstalter ihr Musikfestival als „rundum gelungen“ bezeichneten, gab es im Publikum auch Kritik, etwa dass die musikalische Bandbreite nachgelassen habe. Und so sehr sich die Veranstalter über steigende Besucherzahlen freuen können – Probleme gibt es genug: Einen Rekordwert meldeten sie schließlich mit gut 1,5 Millionen Euro auch bei den Kosten.

MDR Online. Der ganze Beitrag hier (mit Bilderschau).

Hans SöllnerHans Söllner am Sonntag beim Konzert mit Bayaman´ Sissdem auf der Heidecksburg (Foto: ak).

Vielfalt war einer der Trümpfe auch beim 19. Rudolstädter Festival: Der 29-jährige Lateinamerikaner Cristóbal Repetto war als ungewöhnliche neue Tango-Stimme zu erleben. Die junge chinesische Sängerin Gong Linna entdeckte als Popstar ihre Liebe zur traditionellen Musik und erschließt sie nun für heutige Ohren. Mittelalter-Musik aus Lettland und Estland spielte die Gruppe „Auli“ auf Trommeln und Dudelsäcken. Eine Virtuosin auf denselben Instrumenten war Mercedes Peón aus der spanischen Provinz Galicien. Mit ihrem kraftvollen, beinahe rockigen Gesang, der an Gianna Nannini erinnert, gilt sie als Erneuererin der galizischen Musiktradition.

MDR Figaro. Ein umfassendes Online special und eine Bilanz von Michael Kleff finden Sie hier.

Siehe auch hier

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Die Musikbranche diskutiert über die Gründe der diesjährigen Popkomm-Absage – nicht nur Ende Juni auf der Bundesfachkonferenz der Initiative Musik in Warnemünde. Jetzt meldet sich auch der Konzertveranstalter Berthold Seliger zu Wort. In der „Berliner Zeitung“  schreibt er ein paar harte, aber wahre Worte, die wir nur unterstreichen können:  Eine Nabelschau der Musikindustrie braucht kein Mensch. Produktive Ergebnisse oder erfolgsversprechende Neukontakte hat die Musikmesse auch uns selten eingebracht. Von daher waren wir schon seit 2000 weder in Köln, noch später in Berlin. Musikwoche.de fasst Seligers Nachruf zusammen:

In einem Beitrag für die „Berliner Zeitung“ mit dem Titel „Nachruf auf eine Funktionärsmesse“ kommentiert Konzertveranstalter Berthold Seliger die diesjährige Absage der Popkomm als „logisch“.  „Die Popkomm war überflüssig, und sie wird immer überflüssig sein. Egal, ob sie in Köln oder Berlin stattfindet, egal, welcher Regierungschef die Tonträgerindustrie unterstützt, egal, wer jetzt Krokodilstränen weint. Die Sachlage ist einfach: die Tourneeveranstalter, Agenten und Festivalbetreiber gehen nach London zur ILMC, die Tonträgerfirmen und Verlage gehen, solange das Geld reicht, noch zur Midem nach Cannes, und wer Neues entdecken will, geht zur Womex oder nach Austin/Texas zur SXSW“, schreibt Seliger.

Die Popkomm ist seiner Ansicht nach eine „teure Bauchnabelschau mit Dauerparty“, die die Branche nicht mehr bezahlen könne, seit sich die Umsätze der Tonträgerindustrie im freien Fall befinden. „In den letzten Jahren erlebte man leere Messehallen, kaum internationale Besucher, ein provinzielles Konferenzprogramm“ bilanziert der in der Hauptstadt ansässige Konzertagenturchef. Auch von der geplanten Ersatzveranstaltung in Berlin hält er wenig: „Ob nun ausgerechnet die Initiative um Pop-Faktotum, Rammstein-Entdecker und Multiunternehmer Tim Renner und das hochsubventionierte ‚Radialsystem‘ in der Lage ist, eine ‚Graswurzel-Popkomm‘ aus dem Boden zu stampfen, muss bezweifelt werden. Wenn die Branche einen Treff in Berlin braucht, wäre es eine moderne Neuauflage der Berlin Independent Days, ohne Pop-Funktionäre, Staat und Showcase-Mittelmaß. Danach sieht es nicht aus: Wo Funktionäre herrschen, ist Mittelmaß Gesetz.“

Seliger sieht auch die Begründung der Popkommabsage durch Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, als unglaubwürdig, wonach sich viele Unternehmen es sich „wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten“ könnten, an der Messe teilzunehmen. „Keine Rede davon, dass die Branche bei der Entwicklung digitaler Tonträger alles verschlafen hat – von der Erweiterung der Vertriebswege bis zur Erneuerung des Urheberrechts“, wendet Berthold Seliger ein. „Außerdem weist selbst der Bundesverband Musikindustrie in seinem Jahreswirtschaftsbericht darauf hin, dass illegale Downloads und der Absatz von CD-Rohlingen stark rückläufig sind: Von 2003 bis 2007 hat sich die Zahl illegaler Downloads von 602 auf 312 Millionen fast halbiert, obwohl es drei mal so viele DSL-Zugänge gibt, heißt es dort. Die Tonträgerkonzerne erwirtschaften längst mehr als jeden fünften Euro im Internet, 2007 weltweit 3,7 Milliarden Dollar, wobei der Umsatz allein von 2007 auf 2008 um ein Drittel stieg.“

Zudem sei es unklar, woher der Bundesverband genaue Zahlen illegaler Downloads wissen könne. Seliger weiter: „Und nicht jeder Rohling wird zum ‚Schwarzbrennen‘ von Musik genutzt. Es gehört Chuzpe dazu, von der Politik dennoch protektionistische Gesetze zu verlangen. Gornys Konzept ist es, der Politik seine Forderungen stetig einzuhämmern: Der tausendfach verbreitete Unsinn wird schon irgendwann hängenbleiben. Unter diesem Motto unternahmen Gorny & Co. schon Kriminalisierungsversuche der Kunden durch ihre fragwürdige ‚Copy kills music‘-Kampagne und forderten scharfe Gesetze zur Diebstahl-Abwehr im Internet. Vorbild ist die Netzsperre für einzelne Musik-Piraten in Frankreich – ein Gesetz, das dort gerade vom Verfassungsgericht kassiert wurde, weil es gegen das Grundrecht auf Informationsfreiheit verstößt.“

Der für deutliche Worte bekannte Seliger sieht das Geschäftsmodell der Tonträgerindustrie als „überlebt und so siech wie den Quelle-Katalog. Der Daseinszweck der Tonträgerindustrie war es, Musikaufnahmen zu finanzieren, zu kopieren und zu vertreiben. Alle drei Aufgaben sind mittlerweile obsolet: Mittlerweile beherrschen die Künstler die Produktionsmittel, und in Zeiten von Internet ist es leicht, direkten Kontakt zwischen Künstler und Publikum herzustellen. Nicht nur Radiohead verkaufen so ihre Musik. Und da die ‚kulturveräußernde‘ Tonträgerindustrie nie ernsthaft an der Entdeckung und Förderung guter neuer Musik interessiert war, hat sie ihre Existenzberechtigung verloren.“ Die Zukunft gehöre „den ehrenwerten Independent-Firmen, bei denen Musikliebhaber arbeiten, und die genau deshalb und wegen ihres Vertrauensverhältnisses zu ihren Künstlern auch überleben werden, wenn auch mit verändertem Geschäftsmodell.“

Die Tonträgerindustrie aber habe nun das Urheberrecht als Betätigungsfeld entdeckt. „Sie behauptet, damit den Künstlern zu nützen – das Gegenteil ist der Fall. Die wenigsten Künstler haben etwas von den GEMA-Gebühren, die Veranstalter für ihre Konzerte bezahlen.“ Das Urheberrecht sei zum „Kampfbegriff der Verwertungsindustrie“ geworden. „Musik aber gab es schon vor der Gründung von Plattenfirmen und der GEMA, und Musik wird es auch nach dem Untergang der Tonträgerindustrie geben“, bekräftigt Bertold Seliger. „Es ist in der Menschheitsgeschichte eine anerkannte Kunstform, Werke nachzuahmen, zu kopieren und weiterzuentwickeln. Warum sollte die Politik ausgerechnet in Zeiten der Digitalisierung einer relativ kleinen Industriesparte die Legitimität eines anachronistischen Systems verschaffen?“, fragt der Veranstalter.

Quelle: musikwoche.de vom 06. Juli 2009

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Von Heute bis Sonntag sind wir beim TFF in Rudolstadt zu finden. Arno Köster moderiert am Abend das Sonderkonzert auf der Heidecksburg. Dort steigt ab 21.00 Uhr eine Balkan-Dub-Electronic-Punk-Party mit La Cherga und Gogol Bordello. Mehr dazu gibt´s hier.

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Am Sonntag  ab 21.00 spielen am selben Ort Hans Söllner & Bayaman´ Sissdem.  Der bekennende Homegrower wird in diesem Jahr mit der „Deutschen Ruth“ ausgezeichnet und sich dafür sicherlich mit einem fulminanten Konzert in Rudolstadt bedanken.  Weitere Infos zum 19ten TFF Rudolstadt finden Sie hier.

Medienvertreter akkreditieren sich hier

Hans Söllner im Netz

Siehe auch hier

CD-Cover via trikont.de

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