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Archive for Juli 2010

Von Sonja Schwabe

Schon beim Soundcheck wird klar: Das ist heute eine ganz andere Veranstaltung. Nicht nur, dass alles im Zeichen der Udo Lindenberg Stiftung steht, die besten Bands des Songwettbewerbs „Panikpreis“ gegeneinander anspielen werden und die Stiftung ihre Projekte vorstellt – auch dass Udo Lindenberg zeitweise den harten Panikrocker ablegt und in die Rolle des Conférenciers schlüpft, der sein Engagement für Afrika und sein Interesse an der Erhaltung der Gedenkstätten Hermann Hesses kundtut. Die Veranstaltung findet in Tübingen statt, wo der große Dichter als junger Mann seine Schriftstellerkarriere begann. Er machte hier eine Buchhändlerlehre, fand dadurch seinen ersten Verlag, und bewegte sich viel in Studentenkreisen.

Udo L. probt ein paar Songs mit seinen Musikern – die Unplugged-Version von „Ich schwöre“, „Good Bye Sailor“ und „Woddy Woddy Wodka“, zeigt sich beeindruckt von der Riesenleinwand – und macht sich dann gleich wieder auf, rastloser Geselle, der er ist, um eben jene Buchhandlung Heckenhauer in der Tübinger Altstadt zu besuchen. Original-Schriftstücke und Fotos des Dichters sind da zu bewundern, und ein Archiv mit uralten Büchern – inzwischen ist die Buchhandlung ein Antiquariat, geleitet vom Urenkel des damaligen Hesse-Chefs. (…)

Kurze Zeit später geht es tatsächlich los. Die Moderatoren Ben Streubel (SWR3) und Arno Köster (Udo Lindenberg Stiftung) begrüßen den Meister auf der Bühne, der den „bewegenden Augenblick“, in dieser Hesse-Wirkungsstätte zu sein, mit zwei Piano-Balladen einleitet und seine Liebe zu dem Dichter auf diese Weise mit allen Anwesenden teilt. Doch die erste Panikpreis-Band Lotus Theorie wartet schon auf ihren Auftritt, und Udo L. nimmt auf der Empore Platz, um seiner Aufgabe als Jury-Vorsitzender nachzukommen.  (…) Autopilot legt los, mit bauchfreien Glitzer-Tops, und Neo Kaliske aus Leipzig bringt auf den Rängen schon jetzt viele Köpfe zum Mitwippen. Ein kurzer Filmbeitrag berichtet über die Arbeit des „Good Hope Centre e.V.“, dessen Tansania-Projekt für Waisen- und Straßenkinder in den letzten zwei Jahren von der Udo-Lindenberg-Stiftung unterstützt wurde – bevor die vierte Panikpreis-Bewerberin Johanna Zeul mit ihrer Bühnenpräsenz, Percussion-Einlagen auf der Akustikgitarre und ihrem sehr authentisch und emotional vorgetragenen „Sandmann“ das Publikum sofort auf ihre Seite zieht.

Udo Dahmen, Leiter der Popakademie Mannheim, wird interviewt und äußert sich aus seiner Erfahrung über einen deutlichen „Trend zum Deutschtexten“. Die Band Kowsky gibt alles und schwitzt dementsprechend, ihr Sound ist extrem klar und wird später unter anderem ein Kriterium sein für die Entscheidungsfindung der Panikpreis-Jury. Und bevor die letzten Finalisten, Tim Plus und Plusband, mit einer sehr originellen Performance in die dritte Runde starten und der Rapper von seiner persönlichen Verbindung zu Hermann Hesse erzählt, stellt Arno Köster kurz das diesjährige Projekt „HOPE Capetown“ vor.

Eine Sonderpreis-Gewinnerin war schon gewählt und performt jetzt live ihren Song, die Vertonung des Hesse-Gedichtes „Buchstaben“, alleine mit ihrem Klavier: Milene Weigert. Sehr selbstbewusst und stimmgewaltig löst sie bei den Zuhörern den absoluten Gänsehaut-Alarm aus – sie fühlt genau, was sie da singt, die Hesse-Poesie in all ihrer Tiefgründigkeit, das spürt man – und dass sie erst 13 Jahre alt sein soll, kann man sich kaum vorstellen.

Ein weiterer Filmbeitrag, diesmal über die Arbeit von „HOPE Capetown“ in ihrem Kampf gegen HIV/Aids, vermittelt tatsächlich das, was sich das Projekt auf die Fahnen geschrieben hat: Hoffnung. (…)

Als krönender Abschluss des Hermann-Hesse-Festivals betreten dann schließlich Udo Lindenberg und sein Panikorchester die Bühne mit den Worten: „Die Sizilianer Deutschlands leben in Tübingen!“ Er drückt sein Bedauern darüber aus, dass die 40-Meter-Rakete leider nicht in die Mädchenturnhalle gepasst hat, liefert aber trotzdem in gewohnter Panik-Manier eine Show vom Allerfeinsten. Zum Abheben, auch ohne Rakete. Sie wird zeitweise unterbrochen – was aber der Stimmung keinen Abbruch tut – zum Beispiel, um die Sieger zu ehren. Ben Streubel bezeichnet die Rock-Profis der Panikband als „siebte Nachwuchsband“ und bittet die Jury-Mitglieder auf die Bühne, die Johanna Zeul für ihre „tollen Texte und extrem überzeugende Performance“ mit dem dritten Panikpreis auszeichnen: 1000 Euro und ein Coaching an der Popakademie Mannheim; Neo Kaliske mit Band hat mit dem zweiten Platz einen Panikkurs in Hamburg und 2000 Euro gewonnen; und den vergoldeten Original-Hut des Panikmeisters bekommt Frontmann Marcus von Kowsky aufgesetzt, der die Jury vor allem mit einem „fantastischen zweiten Song“ überzeugt hat und sich außerdem über die 5500 Euro Preisgeld freut, um damit die Album-Aufnahmen fertigzustellen.  (…)

Den ganzen Text finden Sie drüben.

Bildergalerie von Andreas Laich (c) Sparkasse Pforzheim Calw.

Foto: Tine Acke, Panikpreisjury 2010. Video: Kim Frank, via YouTube. Foto: Milene Weigert von Herbert Schnierle-Lutz. Foto: Udo Lindenberg beim Gästebuch-Eintrag in der Heckenhauerschen Buchhandlung, (ak).

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Am Samstag wurden beim Hermann Hesse Festival in Tübingen die Panikpreise 2010 vergeben:

1. KOWSKY

€ 3.000,00 & Auftritt beim Festival, sowie € 2.500 für eine Studiosession

2. NEO KALISKE

€ 2.000,00 & Panikkurs bei Udo Lindenberg und Experten in Hamburg

3. JOHANNA ZEUL

€ 1.000,00 & Coaching an der Popakademie in Mannheim

Sonderpreis der Sparkasse Pforzheim Calw (Beste Hesse-Vertonung):

MILENE WEIGERT

Sonderpreis rock n popmuseum, Gronau (Studiosession im legendären Can-Studio):

TIM PLUS & PLUSBAND


Alles zum Panikpreis

Website der Udo Lindenberg Stiftung

Google-News Übersicht Panikpreis

Video von Kowsky

Foto: Tine Acke. Die Panikpreisträger mit Udo Lindenberg on stage.

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Die Musik ist auf der Suche. Da denkst du drüber nach und merkst, dass du genauso bist wie deine Mukke: Immer auf der Suche. Und wenn du dann Hesse liest oder Udo hörst, fällt dir auf, dass die auch ihr Leben lang gesucht haben … und dass es vielleicht gar nicht um’s Finden und Ankommen geht, sondern darum, in Bewegung zu bleiben. Das ist’n gutes Gefühl und du hast tierisch Bock, das nächste Lied zu spielen und völlig dabei abzugehen, oder beim Songschreiben Emotionen zuzulassen, und dich gefühlsmäßig auszutoben.“ mehr

Panikpreis-Finalist Tim Plus & Plusband im Gespräch mit der Udo Lindenberg Stiftung.

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Der Punk ist tot, es lebe der Punk. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Beastie Boys, Britney Spears und John Travolta. Sie klingen unverschämt und sexy mit ihren fetten Elektrobeats und dem deutschen Sprechgesang – und alles was ihnen nicht passt, wird in Grund und Boden gerockt.“ mehr

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Die 13 jährige Milene Weigert aus Bonn bekommt beim diesjährigen Panikpreis den Sonderpreis der Sparkasse Pforzheim Calw für die beste Hesse-Vertonung. Sie hatte sich gegen rund 30 im Wettbewerb eingereichte Konkurrenten durchgesetzt.

Die Jury waren Udo Lindenberg, sowie der Hesse-Experte und Autor Herbert Schnierle-Lutz. „Kein Dichter wurde so oft vertont, wie Hermann Hesse, von daher liegt die Messlatte immer sehr hoch“, so Schnierle-Lutz. „In diesem Jahr ist uns die Auswahl schwer gefallen. Insofern haben wir uns entschlossen, den Preis an die jüngste Teilnehmerin zu vergeben. Als Anerkennung dafür, dass sie sich in ihrem Alter mit Hesse auseinandersetzt“. Milene Weigert hat das Gedicht „Buchstaben“ vertont, arrangiert und selber am Klavier umgesetzt. Udo Lindenberg begeistert vor allem die unverwechselbare Stimme der 13-jährigen.

Der Sonderpreis der Sparkasse Pforzheim Calw wird alle zwei Jahre im Rahmen des Panikpreises der Udo Lindenberg Stiftung ausgeschrieben und vergeben. Er ist mit € 750,00 dotiert. Herbert Müller, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw, wird die Auszeichnung am 24. Juli 2010 in Tübingen übergeben: „Udo Lindenberg ist überzeugt von Milene und Hermann Hesse wäre begeistert gewesen. Ich freue mich, dass ich dieser jungen Ausnahmekünstlerin den Preis überreichen darf. Sie hat noch viel Potential“.

Das Hermann Hesse Festival unter Schirmherrschaft der Universität Tübingen findet am 24. Juli 2010 in der Paul Horn-Arena statt. Es beginnt mit dem Panikpreisfinale um 17 Uhr. Nach der Eröffnung durch Udo Lindenberg mit einer unplugged-Einlage, treten die sechs von der Jury ausgewählten Bands mit jeweils zwei Songs gegeneinander an. Dabei sind: Lotus Theorie, Autopilot, Tim Plus & Plusband, Neo Kaliske, Kowsky und Johanna Zeul.

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Foto: (c) general-anzeiger-bonn.de

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Für mich bringen gute Songs einfach alles auf den Punkt, sie transportieren ein echtes Gefühl. Ich schreibe mir etwas von der Seele und lerne jedesmal etwas Neues über mich selbst. Songs sind auch Sprachrohr und Zeitgeist, deren Inhalte Teile dieser Welt widerspiegeln. Zusammen mit der Musik sprechen sie eine Sprache, die jeder Mensch versteht. Und es gibt viele Parallelen. Sie helfen, uns gegenseitig zu verstehen, erzählen davon, Grenzen zu überwinden, und regen unsere Kommunikation an. Ich liebe Songs, die uns zum Zuhören bringen. Ein guter Song verbindet uns miteinander, verzaubert Dich und erweitert Deinen Horizont.“ mehr

Neo Kaliske, Panikpreis-Finalist im Gespräch mit der Udo Lindenberg Stiftung.

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