IVF Leipzig gewinnt Hauptpreis beim SFPD

Auf einem digitalen Festakt aus der Universitätsbibliothek „Albertina“ zu Leipzig wurde am Dienstagabend die Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball (IVF Leipzig) mit dem Hauptpreis des Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2020 ausgezeichnet.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung der Jury und sehen den Preis als Bestärkung, uns auch weiterhin für eine Kultur der Gleichberechtigung und Diversität in Sachsen einzusetzen“, so Uli Heinze, Politikwissenschaftlerin und Projektkoordinatorin der IVF. „Seit einigen Jahren gibt es auch im sächsischen Fußball positive Entwicklungen im Bereich Demokratiebildung, wie die Einrichtung der Stelle für ‘Integration und Demokratie’ beim Sächsischen Fußballverband (SFV) belegt. Allerdings sind homofeindliche Beleidigungen, Abwertungen von Fußballspielerinnen sowie rassistische Schmähungen weiterhin Alltag auf den Fußballplätzen. Mit Blick auf die Sensibilisierung für Diskriminierungsvorfälle sehen wir auch bei den regionalen und landesweiten Verbänden noch Nachholbedarf“, erläutert Heinze.

Hier die Laudatio von Arno Köster:

IVF – Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport Fußball

Im September 2020 spielen die Frauen von Roter Stern Leipzig in Laußig. Wie häufig bei Auswärtsspielen, grölen einige Zuschauer*innen der Gegnerinnen rassistische und frauenfeindliche Sprüche. Später wird eine Spielerin online beleidigt und bedroht. Auch Hetze gegen Geflüchtete findet sich in den Postings. In seiner Stellungnahme sieht der Verein darin eine Grenzüberschreitung und einen politischen Angriff auf das Team, das sich als antirassistisch und antisexistisch versteht. Künftige Auswärtsspiele würden sich unangenehm gestalten, „da sie mit einem unsicheren Gefühl antreten“.

Nach einem Punktspiel der RS Ladies steht plötzlich der Linienrichter in der Dusche. Erst nach längeren Diskussionen und mehrmaliger Aufforderung durch eine Spielerin, geht der Mann wieder. Später folgt eine lakonische Entschuldigung, verbunden mit der Frage wo eigentlich das Problem liege, wenn er mit dem Frauenteam duschen würde. 

Rassismus und Sexismus auf und neben dem Platz zeigen sich jede Woche auf Neue. An Sprüchen wie „Geh doch zu Allah“, „Juden-Chemie“ (für BSG Chemie Leipzig), „Ihr spielt ja wie Frauen“, stört sich kaum jemand. Beschwerden beim Verband bleiben meist ohne Konsequenzen. So hat zum Beispiel das sächsische Fussballgericht festgestellt, homophobe Beleidigungen seien „fussballtypisch“ und damit nicht sanktionierbar.

Dabei sind Vereine auf dem Land oft die einzige relevante gesellschaftliche Institution, für Geflüchtete eine Möglichkeit, Kontakt mit der Gemeinschaft zu finden. Diese Verantwortung überfordert viele Klubs. Betroffene fühlen sich eingeschüchtert und bedroht. Hilfsangebote, wie mit den Problemen umzugehen ist, fehlen.

Hier beginnt die Arbeit der „Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport Fussball“. Workshops sensibilisieren Spieler*innen und Funktionär*innen gegenüber diskriminierendem Verhalten und zeigen Gegenstrategien auf. So unterstützt sie Vereine, ihre Werte zu definieren und begleitet sie dabei langfristig. Eine Ausstellung über Ressentiments im Fussball wurde bereits mehrmals bundesweit gezeigt.

Die Aktivitäten der Initiative stehen für die Stärkung einer humanen Gesellschaft, auch über den populären Breitensport hinaus. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Fußballkultur. Ein Verein, der für Vielfalt, Integration und Toleranz steht, wirkt abschreckend auf Extremist*innen und Chauvinisten.

Langfassung in der Festschrift zum digitalen Festakt

Alle Preisträger*innen in der Pressemitteilung zum Preis

Fotos: IVF und AAS (Moderator Bastian Wierzioch). Quelle Zitat: IVF

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